Julica Luger hat 2006/07 ein Work and Travel Aufenthalt in Australien absolviert und karriere-hilfe.de freundlicherweise einen Erfahrungsbericht zukommen lassen.
Vielen Dank an dieser Stelle und allen viel Spaß beim Lesen.
Australien, ein entferntes Land am anderen Ende der Welt, unbekannt und voller Hoffnungen auf neue unvergessliche Erfahrungen. Und was habe ich bekommen? Noch viel mehr als ich mir erträumt habe.
Nach dem Abitur stand für mich schon immer fest: nicht gleich weiter ziehen. Ich brauchte eine Pause von Schule, Lernen und Deutschland. Wie ich auf Australien gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr so genau, auf einmal war einfach die Idee da. Ich bewarb mich bei einer Organisation, die mir die Reise konkreter gestalten und vor allem eine Sicherheit für die ersten Tage geben sollte.
Gemeinsam mit vier Freundinnen bin ich im September 2006 nach Sydney, Australia geflogen. Alleine der Flug überraschte uns mit Luxus und allerlei technischer Spielerei, so dass der endlos scheinende Flug schnell bewältigt war. Die Landung in Sydney war weniger aufregend, als ich erwartet hatte, denn letzten Endes ist es eben doch nur eine Großstadt wie in anderen Ländern auch. Also war schnell klar, dass wir weiter reisen mussten, um endlich im ersehnten Australien anzukommen. Doch weit mussten wir gar nicht fliehen, denn sobald man das Stadtleben hinter sich lässt, ist es da, die fremde Natur, die atemberaubende Schönheit der Strände und das klare blaue Wasser. Ich fühlte mich großartig und konnte die ersten Augenblicke überhaupt nicht realisieren. Langsam Schritt für Schritt sickerte das Alles in mein Hirn: Ich bin jetzt Backpacker, ich kann machen was ich will, wo ich will und wann ich will, in einem Land, welches mir mehr zu bieten hat, als Deutschland. Ich stand also auf dem Feld „Start“ und warf die Würfel für mein nächstes Feld.
Wir Mädels entschlossen uns als erstes zu arbeiten und dann zu reisen, allerdings wollten wir keine gewöhnliche Arbeit als Kellnerin oder ähnliches, sondern wir wollten aufs Land: „Fruit picking and packing“. Auf Grund der Jahreszeit (Frühling im September) mussten wir dazu erst in den Norden reisen, denn dort herrscht tropisches Klima, was eine Voraussetzung für exotische Früchte ist. Von New South Wales, Sydney, ging es mit dem Flugzeug weiter nach Queensland, Cairns.
Plötzlich waren wir in einem völlig neuem Australien, die Menschen sahen anders aus (eben keine Stadtmenschen mehr), das Klima war natürlich feucht und schwül, große grüne Pflanzen kamen uns entgegen, üppig und in voller Blüte. Eine Freundin (die Christina) aus unserem Vierergespann hatte Kontakte zu einer Familie auf dem Land nahe des „Asherton Tableland“ in Innisfail und somit ging die Reise weiter von der Stadt raus aufs Land. Schon in Sydney hatten wir uns im Reisebüro extra für Backpacker ein Greyhoundticket gekauft. Das ist ein Busticket, mit welchem man innerhalb eines halben Jahres von Cairns nach Sydney fahren konnte, one way, also nur in den Süden. In der Provinz angekommen, wurden wir herzlichst empfangen, obwohl keine Person uns kannte! Nicht mal meine Freundin kannte die Familie persönlich, sondern nur aus Erzählungen. Es war wohl der schönste australische Empfang der uns bereitet wurde und wir fühlten uns sehr Willkommen.
![]()
Bei der Familie erhielten wir Informationen über den Erntestand in der Gegend und wurden auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Anfang des Jahres hatte es im Norden einen schweren Zyklon gegeben, welcher den größten Teil der Plantagen zerstört hatte. Also waren unsere Aussichten auf einer Farm zu arbeiten sehr schlecht. Aber auch in Australien ist Vitamin B alles und über Freunde deren Bekannten und so weiter, erhielten wir doch tatsächlich einen Job auf einer Bananenplantage in der Nähe des Ortes Tully, welcher nicht weit von der Küste liegt. Mit Sack und Pack ging es also weiter und gemeinsam zogen wir auf einen Campingplatz, der zur Hälfte aus Wohnmobilen (Caravans) bestand. Wir mieteten uns zu viert ein und wurden erst einmal gründlich von den übrigen größtenteils koreanischen Nachbarn beäugt. Somit begann ein weiterer Abschnitt der Australienreise, welcher mit der bedeutendste sein sollte. 6 Wochen lang arbeiteten wir montags bis freitags auf der Farm von 7 bis 16 Uhr. Unsere Arbeit bestand meist aus „sorting, cutting and packing“, d.h. wir standen vor einem mit Bananen und Wasser gefüllten Fließband und sortierten und schnitten die großen Bananenstücke in Verkaufsform. Oder aber wir wurden für Außenarbeiten in den Plantagen eingeteilt und mussten Bananenpflanzen festbinden, neu pflanzen, Bewässerungssprenkler austauschen, neue Felder anlegen usw.
Die Farmbesitzer warten jedes Jahr auf Scharen von Backpackern, welche ihr Geld mit der Farmarbeit verdienen wollen. Am Ende ist es eine eintönige Arbeit, aber dennoch habe ich fürs Leben wertvolle Erfahrungen gesammelt. Wer kann schon behaupten auf einer Bananenplantage gearbeitet zu haben? Sicher nicht viele. Die Zeit in Tully bestand eigentlich nur zur einen Hälfte aus Arbeiten, denn an unseren Wochenenden unternahmen wir immer etwas. So füllte sich die andere Hälfte mit Ausflügen zum Meer, in die Berge, auf Inseln und vieles mehr und der tropische Norden zeigte sich uns von seiner schönsten Seite. Abends trafen wir uns mit anderen Backpackern zum Karten spielen oder wir ließen uns koreanisch bekochen.
In diesen 6 Wochen haben wir flüchtige Bekannte gehabt, aber auch für die Zeit wahre Freunde gefunden. Das Schöne hierbei ist eben, dass alle im gleichen Boot sitzen. Nach den ersten vier Wochen verabschiedete sich eine Freundin (die Jenneke) von unserem Gespann. Zu viert Leben, Arbeiten und Reisen ist eben doch anstrengend. Mit neuen Freunden entschied sie sich früher mit der Arbeit aufzuhören und ging ihre eigenen Wege. In Tully lernte ich eine Menge über uns selbst, aber auch über meine Freunde, denn das Zusammenleben war eben 24 Stunden, sieben Tage die Woche, was ausgesprochen intensiv ist. Außerdem wurde mir bewusst, dass ich jetzt alleine lebe, also ohne meine Eltern. Denn schon nach zwei Wochen Arbeiten auf der Plantage schnitt ich mir beim banana cutting leider meine Fingerkuppe mit ab und als Backpacker wird man eben nicht behandelt wie ein festangestellter Australier. Das bedeutete für mich, die Schicht zu Ende arbeiten! Am Ende des Tages war ich ein Häufchen Elend ohne Fingerkuppe am linken Zeigefinger. In Deutschland wäre ich sofort zu meinem Vater gerannt und hätte geschrien: PAPA! Naja, so ist das eben und auch weniger schöne Dinge gehörten dazu. Ich habe es unter einprägsame Erfahrungen verbucht =). Der Arzt im Krankenhaus schrieb mich glücklicherweise für einige Tage krank, so dass ich immerhin die Zeit bezahlt bekam.
![]()
Aber auch bei uns kam nach sechs Wochen Arbeit der Lohn und so ging es nach einer langen Zeit schufften endlich weiter, um die ersehnte Freiheit zu genießen. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von unseren so liebgewonnenen Freunden, denn wir wussten ja, die sehen wir nie wieder, von unserem Zuhause, dem Caravan, und von Tully. Abschied nehmen ist ein großer Teil des Lebens eines Backpackers, denn darum geht es ja, um das Reisen, das Weiterziehen und das Entdecken vieler Sachen. In Cairns unternahmen wir eine Segeltour mit Schnorcheln im „Great Barrier Reef“ inklusive und mieteten uns ein Auto, um zum „Cape Tribulation“ zu fahren, bzw. in den Daintree Nationalpark.
Unser Plan war es, eine Nacht im Nationalpark zu verbringen, aber nicht in einem Hostel, sondern im Auto. Die Idee war ja auch eigentlich toll, nur leider auch sehr naiv. Natürlich schläft es sich in einem Toyota Kombi weniger gut zu dritt und mit all unserem Gepäck. Außerdem hatten unsere Erfahrungen mit einem versuchten Einbrecher mitten in der Nacht in unseren Caravan (noch in Tully) seine Spuren hinterlassen, so dass wir kein Auge zumachten und einfach nur warteten, bis es endlich wieder hell wurde. Wir entschieden uns also, lieber wieder nach Cairns zurück zu reisen und dort ein paar Tage im „Girls Hostel“ (sehr empfehlenswert, wenn man mal keine Lust mehr auf gemischte Zimmer hat und noch dazu eine saubere Küche bevorzugt) zu übernachten.
Die nächsten Wochen reisten wir weiter Richtung Süden, zunächst über Townsville nach Magnetic Island für 3 Tage und erlebten Koalabären in freier Wildbahn und wanderten zu Kriegsrelikten, denn von der Insel aus hat man einen sagenhaften Blick über den Pazifischen Ozean.
Dann ging es zum nächsten Stop nach Airlie Beach, was ein Ausgangspunkt für alle Touren zu den Whitesunday Islands ist. Nach einigen Tagen mit zahlreichen Partys buchten wir einen Trip auf einem Katamaran für 2 Nächte. Der wohl berühmteste Strand ist der Whiteheaven Beach, welcher seinen Namen tatsächlich verdient und von fast jedem Boot angesteuert wird. Zudem umfasste der Trip mehrere Schnorchel- und Tauchstops in verschiedenen Buchten.
Mittlerweile hatten wir auch schon den ersten Advent, was in Australien nur im Kalender existiert, aber trotzdem zogen wir mit Kaffee und Kuchen zu einem der zahlreichen BBQ Stellen direkt am Strand. Ein bisschen Tradition gehört eben doch dazu. Lange hielten wir uns nicht an den Orten auf und fuhren mit dem Nachtbus weiter 12 Stunden nach Hervey Bay. Das ist im Grunde nur eine kleine Stadt, die als Hauptattraktion den Ausgangspunkt nach Fraser Island hat und einen Aldi =). Das war wie Weihnachten, endlich mal wieder deutsche Produkte in den Händen zu halten. Fraser Island selbst ist die größte Sandinsel der Welt und 190qkm groß. Es gibt mehrere Seen, mit dem Lake McKenzie als wohl berühmtesten, die unterschiedlichsten Vegetationen und den australischen Wildhund, den Dingo, in der Natur (gilt als gefährlich, aber ich hatte (leider) nähere Bekanntschaft mit ihm und habe dennoch überlebt). Wir entschieden uns, nur einen Tagestrip zu machen, aber viele unternahmen eine Tour mit mehreren Jeeps über einige Tage ohne einen Reiseleiter, also auf eigene Faust.
Es folgte für uns ein nächster großer Stop in Brisbane. Wir mussten uns wieder einmal überlegen, wie es weiter gehen sollte. Fast jeden Tag erlebten wir etwas Neues und mussten uns auf etwas Neues einstellen.
Diesmal entschieden wir uns sehr spontan wieder zu arbeiten und zwar nicht in Küstennähe, sondern drei Stunden westlich von Brisbane in der Kleinstadt Stanthorpe, wo es unzählige Steinfruchtplantagen gibt. Auch diesmal führte uns der Weg nur in diese Gegend wegen unseren guten australischen Kontakten. Außerdem waren es nicht mehr viele Tage bis Weihnachten und wir wollten an einem ruhigen Ort das Fest gemeinsam feiern. Wir zogen bei Renate, einer eben besagten Bekannten, die schon seit über 30 Jahren in Australien lebte und an den 65 nagte, mit in ihr Haus ein. Sie nahm uns mit in ihren vier Wänden auf, weil die Wohnmöglichkeiten in Stanthorpe eher begrenzt sind und nach so langer Zeit und so vielen Nächten in Hostels waren wir unsagbar froh, mit ihr wohnen zu dürfen. In der Stadt meldeten wir uns bei einer Arbeitsagentur an, die uns an Farmer in der Umgebung vermitteln sollte. In der Zeit, wo wir auf eine erneute Arbeit auf dem Feld warteten, erholten wir uns von unserer stressigen Reise von Cairns nach Brisbane.
Doch schon nach kurzer Zeit erhielten wir eine Zusage für eine Gemüsefarm, die Großlandwirtschaft mit Paprikas, Salat, usw. betrieb. Wir arbeiteten genau 2 Tage auf der Farm und kamen danach nur noch zum Geld eintreiben wieder. Die Arbeitsbedingungen waren nicht tragbar und die Behandlung der Arbeiter erniedrigend und herablassend. Nach diesen beiden Tagen konnten wir nicht mal mehr richtig gehen, da wir von 12 Stunden Unkraut jäten Muskelfaserrisse hatten. Aber es gibt ja in Australien Gott sei Dank mehr als genug Farmen, die Arbeiter suchen, und somit bekamen wir gleich am nächsten Tag einen neuen Job. Diesmal auf einem viel kleineren Familienbetrieb, welcher in der Saison hauptsächlich Frühlingszwiebeln und Petersilie verkaufte. Wir waren, wie auch auf der Bananenplantage, wieder die ersten Backpacker der Saison und somit wurden wir als erste eingearbeitet. Zu dritt pellten, bündelten, wuschen, schnitten und verpackten wir tausende von Zwiebeln - wieder 5 Tage die Woche und wieder von montags bis freitags. Dennoch war die Arbeit eine völlig andere und auch das Leben. Denn wir wohnten in einem privaten Haushalt und hatten somit nur sehr wenig Kontakt zu den übrigen Backpackern, die sich in der Stadt tummelten.
Da ja Weihnachten kurz vor der Tür stand, fuhren wir mit Renate in das nächste Shoppingcenter (obwohl das nächste trotzdem drei Autostunden entfernt war) und erledigten unsere Weihnachtseinkäufe. Wenn die Australier eine Sache können, dann richtig, richtig gute Shoppingcenter bauen. Für jede Frau ein Traum! Eigentlich auch für Männer, denn es gibt einfach für jeden etwas. Und das Gute ist, anstatt einer vernünftigen Fußgängerzone, wie wir es aus Deutschland kennen, gibt es in jeder noch so kleinen Stadt ein vernünftiges Einkaufszentrum. Wie dem auch sei, planten wir die schönsten Weihnachtstage mit Geschenken aus Deutschland von unseren Eltern, leckerem Essen und gemütlichem Beisammensein. Es wurde ein sehr besinnliches Fest, was mit einem Weihnachten in einem Hostel wohl kaum zu vergleichen wäre.
Für Silvester fuhren wir natürlich aus der Kleinstadt raus in die Großstadt, nämlich zurück nach Brisbane. Das ist zwar kein Sydney, aber Australier verstehen generell etwas von Feuerwerken. Also hatten wir nach einem tollen Weihnachten ein genauso schönes Silvester.
Wie auch schon in Tully, verließ eine weitere Freundin (die Kathi) uns nach vier Wochen arbeiten, um mit ihrem Freund, der aus Deutschland kam, Urlaub zu machen. Da waren es nur noch zwei, aber zu zweit reist es sich eigentlich nicht schlecht, auch wenn eine Person nach so langer Zeit plötzlich fehlt.
Nach insgesamt sechs Wochen arbeiten wollten aber auch wir wieder das Nest verlassen. Mit nun insgesamt 3 Monaten Farmarbeit hatten wir erstens genug Geld, aber zweitens auch genügend Arbeitstage auf einer Farm, um gegebenenfalls ein zweites „Work and Travel“-Visum beantragen zu können. Für mich und Christina ging es zurück nach Brisbane und von dort mit unserem Greyhoundticket weiter Richtung Sydney. Unterwegs stoppten wir für einige Tage in Surfers Paradise, was wohl für Australier selbst ein beliebtes Reiseziel ist, warum auch immer. Denn uns waren das eindeutig zu viele Hotels, zu wenig australisches Flair. Trotzdem ließen wir uns auf der Straße zu einer Partytour überreden. Naja, da brauche ich eigentlich nichts zu sagen, kann ich auch gar nicht, denn ich weiß nichts mehr davon =), aber auch das gehört dazu. Verbucht unter: Erfahrungen, die man einmal im Leben gemacht haben muss.
Es ging gleich am nächsten Morgen weiter nach Byron Bay, was wiederum genau unseren Vorstellungen entsprach, eine kleine Ostküstensurferstadt. Perfekt dachten wir uns, aber auch einfach zu viele andere Backpacker. Die Stadt war etwas überlaufen und somit auch teuer, so blieben wir nur ein paar Tage. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, die bekannte Tour zum so hochgepriesenen Leuchtturm von Byron Bay zu wandern. Als wir endlich ankamen, mussten wir lachen. Die Aussicht war, wie sich das für eine Küste gehört, wunderbar, aber der Leuchtturm war gerade mal 100 Jahre alt und auch sonst nicht in irgendeiner Art und Weise besonders beeindruckend. Wenn man aus Europa kommt, dann sind 100 Jahre einfach mal gar nichts, aber eigentlich hätten wir uns das auch denken können, wenn man die Geschichte von Australien bedenkt. In Byron entschieden wir uns außerdem unsere Backpacks gegen zwei wunderschöne Billerbongtrolleys einzutauschen und die gut gedienten Rücksäcke per See nach Deutschland zu schicken. Natürlich minderte das unseren Backpackerstatus, aber an unserer Situation und unserem Gefühl änderte es gar nichts. Es war einfach mal schön, seine Sachen nicht praktisch klein einzurollen um Platz zu sparen und außerdem wurden die mittlerweile 20kg auf dem Rücken zu schwer zum lustigen Umherreisen.
Von Byron ging es weiter zur Hafenstadt Newcastle, was eine von Schwerindustrie dominierende Stadt im Wandel ist. Es war nur ein sehr kurzer Zwischenstopp, denn wir wollten endlich ankommen an unserem Ziel Sydney.
Sydney bedeutete für uns den Abschluss der Ostküste und das Ende der ersten vier Monate in Australien. Bis dahin hatten wir eine Unmenge von Erfahrungen gesammelt, viel zu viele Freunde und Bekannte gehabt, gearbeitet, gefeiert, entspannt, entdeckt. Zurück an unserem Ausgangspunkt unserer Reise, wandelten wir also auf unseren eigenen Spuren und erfreuten uns nun endlich an der Großstadt. Wir erlebten Sydney von einer komplett anderen Seite und wollten gar nicht mehr weg. Wir blieben 2 Wochen und wohnten im gleichen Hostel wie im Jahr davor auch (The Palms, sehr zu empfehlen, wenn man viel Wert auf Kontakt legt und weniger Wert auf Sauberkeit) und kauften ein, feierten ausgelassen, arbeiteten ein bisschen im Hostel mit und trafen sogar alte Bekannte von der Anfangszeit wieder. Die Zeit reichte aus, um wieder einmal sehr gute Freunde zu finden und uns ein wenig heimisch zu fühlen, dennoch planten wir im Kopf schon weiter. Gemeinsam mit Kathi, die uns zuvor in Stanthorpe verlassen hatte und nun in Melbourne war, wollten wir eine Tour zum Uluru (Ayer´s Rock) machen. Wir buchten von Sydney aus im Backpacker´s Worldtravel (gutes Reisebüro für Rucksackreisende) einen Flug von Melbourne nach Alice Springs und für dort eine 3-tägige Tour, sowie einen weiteren Flug für mich und Christina nach Perth und für Kathi nach Darwin (sie wollte von dort nach Deutschland zurück fliegen). Das war das erste Mal seit langer Zeit, dass wir uns an so konkrete Termine halten mussten. Als Backpacker lebt man einfach in den Tag hinein, auch wenn man arbeitet, denn man weiß ja nie. Heute hier, morgen dort. ![]()
Also hieß es für uns als Zweiergespann: erstmal nach Melbourne kommen. Am günstigsten ist das mit dem Bus, auch wenn dies eine 12 Stunden Fahrt bedeutet. Aber wir sind ja noch jung, war unser Motto, und zierten uns nicht, denn schließlich konnte man sogar in einigen Bussen einen Film gucken. Was will man mehr als Backpacker? In Melbourne wechselten wir, wie für uns typisch , mehrere Male das Hostel, erkundeten die Stadt und mieteten uns ein Auto, um doch tatsächlich die Great Ocean Road zu fahren, an einem Tag. Die Great Ocean Road ist das, was der Name eben sagt, eine sehr lange Küstenstraße, aber auch sehr lohnenswert, denn bislang kannten wir nur die Ostküste. Die Südküste hingegen ist felsig, steil und erinnerte mich sehr an die Küste von Wales (wenn da schon mal jemand war). Wir fuhren natürlich nicht die komplette Strecke, sondern nur bis zu den „12 Aposteln“. Das sind große Felsen im Meer direkt an der Küstensteile, allerdings stehen nicht mehr 12, da sie durch die Wellen zerstört wurden.
Nach unserem scheinbar endlosen Trip und der verrückten Fahrerei in Melbourne (es gibt eigentlich nur Einbahnstraßen und an manchen Ampeln darf man sich zwar rechts einordnen, aber nicht rechts fahren, sehr komisch) waren wir völlig erledigt, doch es ging natürlich gleich weiter.
Wir trafen am Flughafen von Melbourne unsere vermisste Freundin und flogen zu dritt vereint von Victoria, Melbourne nach Central Australia, Alice Springs, also einfach mal so mitten in den heißesten Punkt des Landes. Uns erwartete natürlich wahnsinnige Hitze, aber auch ein unglaublich spannender Trip. Drei Tage lang fuhren wir mit einer Gruppe von ca. 20 Leuten durch die nicht enden wollenden Weiten des australischen Outbacks und besuchten zunächst die Kata Tjuta (Olgas) und den Uluru beim Sonnenuntergang mit Snacks und Sekt. Am nächsten Morgen hieß es natürlich mitten in der Nacht aufstehen um den bekannten Farbwechsel des Ulurus beim Sonnenaufgang zu erleben. Anschließend umrundeten wir den Felsen und ließen uns von unserem Reiseleiter die Höhlenmalereien der Aborigines erklären, sowie ihre Hierarchie, gegliedert durch verschiedene aneinanderhängende Höhlen. Einige der Gruppe bestiegen den Uluru, aber für die Aborigines ist der Berg heilig und darf unter keinen Umständen durch Betreten oder Fotografieren entweiht werden.
Naja, allerdings herrscht auch in der Mitte des Landes das Gesetzt des Tourismus: alles ist möglich. Nach einer zweiten kurzen Nacht unter freiem Himmel und mit tausenden von Sternen stand am folgenden Tag der Kings Canyon auf dem Programm. Der Aufstieg der Canyons beginnt mit 400 Stufen, die natürlich nicht in der Mittagshitze erklommen werden können, also hieß es wieder um 4.00am aufstehen, quasi mitten in der Nacht. Allerdings lohnt sich der Tausch von ein paar Stunden Schlaf gegen frühes Aufstehen, denn es ist ein unglaublich tolles Gefühl bei Sonnenaufgang in luftiger Höhe zu stehen.
In der Mitte des Canyons liegt der „Garden of Eden“, also eine grüne Oase trotz starker Hitze und Trockenheit, zu welchem wir natürlich auch hinunter gestiegen sind. Nach diesem letzten Ausflug machten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg nach Alice Springs und wir waren froh, diesen Trip gemacht zu haben. Denn wir haben sehr viel über die andere Seite Australiens gelernt, von den eigentlichen Bewohnern des Kontinents, die ihre Kultur wohl nur noch in Central Australia und im Nothern Territory richtig ausleben können. Ach, ein Tipp noch: unbedingt ein Fliegennetz für das Gesicht mitnehmen. Zur falschen Jahreszeit beherrschen die wassersuchenden Fliegen das Outback, welche keine Rücksicht auf Augen, Nasenlöcher, Ohreingänge etc. nehmen.
Ende Februar landeten wir wieder nur zu zweit in Perth, Western Australia, und dies sollte wieder einmal ein großer Abschnitt unseres Abenteuers sein, denn es stand mal wieder an zu arbeiten, um die Reisekasse aufzubessern. Allerdings mussten wir uns von der Alice Springs Tour erstmal akklimatisieren und uns generell an diese neue Stadt gewöhnen. Wir erkundeten Perth und überlegten uns, was und wo wir arbeiten wollten, denn zum ersten Mal stand kein fruitpicking auf dem Plan, sondern arbeiten und leben in einer Großstadt. Ich traf aus Zufall einen alten Freund aus Tullyzeiten (Australien ist für Backpacker ein Dorf), der selbst lange Zeit in Perth gearbeitet hatte. Ganz spontan brachte er mich zu seiner alten Arbeitsstelle, dem „Verve Restaurant“ und verkaufte mich für einen hohen Wert an seine ehemalige Chefin, die dort als Köchin arbeitete. Also mein neuer Job war Tellerwäscherin! Und da das im konservativen Australien immer noch ein Männerjob ist, konnte ich mich wohl nur durch meine vorherige Arbeit auf den Farmen als schwerarbeitend werben, was ich jetzt nur noch beweisen musste. Ich konnte gleich am nächsten Tag anfangen und das nicht zu knapp. Es war wahnsinnige Knochenarbeit ohne geregelte Pausen und Arbeitszeiten, aber dafür nur drei Tage die Woche. Für das Restaurant war ich ein Gewinn, denn als Frau konnte ich dazu noch im Service eingesetzt werden. Dies war für mich wohl die viel größere Herausforderung als das harte Arbeiten, kellnern auf Englisch. Aber ich meistert es, wie ich fand, ganz gut und pendelte immer zwischen Küchenarbeit und Kellnern an meinen freien Stunden. Am Ende war ich die letzte Person in der Küche, die am Freitagabend das „final cleaning“ machen musste. Naja, im Grunde keine Ehre, aber immerhin hatten sie Vertrauen in mich. Meine Freundin bekam durch sehr viel Glück ebenfalls einen Tellerwäscherjob, allerdings nicht in einem kleinen feinen Businessrestaurant, sondern gleich im „Duxton Hotel“. Das Schöne für sie war ein höheres Gehalt zu bekommen als ich und geregelte Arbeitszeiten, zudem arbeitete sie von montags bis samstags. Ich brauchte also auch dringend mehr Stunden, konnte aber diese nicht im Verve Restaurant bekommen. Durch einen noch viel größeren Zufall trafen wir eine alte Freundin aus unserer Schulzeit, die mit uns gleichzeitig nach Australien geflogen, aber dann völlig andere Wege gegangen ist, mitten in Perths Innenstadt auf dem Gehweg. Sie arbeitete bei einem Catering Service („Temptation Catering“) und bereitete mit ein paar anderen Mitarbeitern die Platten vor, was aber auch Nachbereitung bedeutet, sprich: die Platten anschließend wieder abwaschen, also wieder Tellerwäscherin. So what? Glücklicherweise suchte ihr Chef noch mehrere Angestellte, sodass ich gleich anrief und einen Termin ausmachte. Zack, hatte ich einen zweiten Job. Das hieß für mich: montags, dienstags, samstags im Catering und mittwochs bis freitags im Restaurant. Das war auch für mich genug Arbeit.
Wie auch sonst, wenn wir gearbeitet haben, versuchten wir an den Wochenenden etwas von unserer Umgebung zu sehen. Also fuhren wir in die umliegenden Städte, da Perth selbst keinen direkten Strand hat. Im malerischen Freemantel erlebten wir nach Monaten unseren ersten Sonnenuntergang an der Westküste über dem Indischen Ozean. Endlich wurde es nicht mehr so früh dunkel wie an der Ostküste und von dem Augenblick an liebten wir den Westen mit seinen traumhaften Sonnenuntergängen und Stränden. Nebenbei war das Leben im Hostel schön, weil man wieder Kontakt zu vielen Leuten schließen konnte und die meisten eben auch arbeiteten. Dennoch erlebten wir in Perth das schrecklichste überhaupt, Bettwanzen (Bedbugs). Das sind unglaublich resistente Viecher, die sich überall, nicht nur in den Klamotten, einnisten und die man nur sehr schwer wieder los wird. Es ist eine typische Begleiterscheinung von Backpackern: einer bringt sie mit einem Rucksack oder meist auch Schlafsack ins Hostel, sie nisten sich ein und wieder andere schleppen sie mit ihren Sachen in das nächste Hostel. Sie sterben erst bei Temperaturen über 60°C und entwickeln mit ihrem schnellen Generationswechsel resistente Stämme gegen alle möglichen Chemikalien und Gifte. Ich habe in meinen Sachen nie eine Bettwanze entdeckt, da sie nachtaktiv sind und dann eben in die Betten kriechen um sich mit Blut voll zu saugen. Woran erkenne ich, ob ich bedbugs habe? Auffällig sind mehrere Stiche in einer Reihe, denn meist bekommen sie beim ersten Mal beißen kein Blut und beißen so eine Stelle weiter erneut, bis sie sich voll gesogen haben. Außerdem hinterlassen sie sehr kleine schwarze Kotflecken auf dem Laken oder Kopfkissen. Die Stiche habe ich persönlich als sehr stark juckend empfunden, so dass sich große Quaddeln gebildet haben. Am anfälligsten sind jedoch Asiaten für die Tiere und diese reagieren am Extremsten darauf. Manche Menschen im Hostel wohnten schon seit Monaten dort und hatten keinen einzigen Stich.
Andere, so wie wir, wurden gleich in der zweiten Woche befallen. Obwohl wir das Zimmer wechselten, unsere Sachen viele Male wuschen und im Trockner erhitzten, half das alles nichts. Das Hostel zu wechseln hätte auch nicht viel genutzt, denn in Perth war zu der Zeit gerade eine regelrechte Plage ausgebrochen. Die Zeit war psychisch sehr belastend, aber zum Glück hatte ich ja Christina dabei und einen guten Freund im Hostel. Seelische Unterstützung ist in dem Augenblick wohl das Wichtigste und kann eigentlich auch nur von denjenigen gegeben werden, die in der gleichen Situation waren. Und obwohl wir ab dem Zeitpunkt bis zu unserem Abflug diese Tierchen mit uns mitschleppten, war die Zeit in Perth für uns als Freunde die Wertvollste. Wieder einmal hatten wir interessante Arbeitserlebnisse gesammelt, ein neues Australien kennen gelernt, Freunde gefunden und ich hatte mich verliebt. Ziemlich blöd als Backpacker und auch weniger ratsam, aber was will man schon gegen seine Gefühle tun.
Trotz all dieser Dinge wollten wir unbedingt den Rest des Kontinents entdecken. Unser Plan war, mit einem gemieteten Auto auf eigene Faust von Perth bis nach Darwin zu fahren, um so die Westküste zu erobern. Gesagt, geplant und getan, denn vier Wochen durchpowern haben gereicht um das Geld für den Trip zusammen zu bekommen und wir mieteten nach langem Hin und Her mit der Autovermietung einen Jeep mit Schlafmöglichkeit, Kühlschrank, Sofa usw. für einen sagenhaft günstigen Preis. Zwei Wochen sollten genügen um eine Strecke von locker über 5000km zu bewältigen - mit Aufenthalten natürlich.
Anfang April begannen unsere letzten 20 Tage des Australienaufenthaltes und direkt nach der Automietung ging es noch am Spätnachmittag desselben Tages los, natürlich nachdem wir uns von Perth und Gott und der Welt verabschiedet hatten. Wir fuhren nicht sehr weit, nur in einen Vorort der Stadt, um dort auf einem Parkplatz direkt am Strand unsere erste Nacht zu bewältigen. Am nächsten Morgen war uns klar, dass die Bedbugs es sogar in unser tolles Auto geschafft hatten, obwohl wir alles versucht hatten, um sie aus unseren Sachen zu bekommen. Naja, irgendwie war das auch schon nicht mehr wichtig, bei Liebeskummer und dem Gefühl die schönste Zeit unseres Lebens hinter uns zu lassen. Dennoch ging die Reise weiter und wir fuhren zu den „Pinnacles“, was eine Steinwüste mit Gesteinsformen in Gestalt von Nadeln im Sand ist. Mit unserem supertollen Jeep fuhren wir durch die Sandstrecke und knipsten wie die Weltmeister. Anschließend bemerkten wir, zurück auf dem Highway, dass sich unser Dachfenster verabschieden wollte.
Nach eingehender Begutachtung war klar, wir hatten ein riesiges Loch im Dach! Okay, das Problem wurde ganz nach australischer Manier mit Panzerband behoben, allerdings sollte es dennoch besser nicht Regnen. Gegen Abend kamen wir dann in Geralton an und suchten uns einfach mitten am Hafen ein Plätzchen auf dem Parkplatz. Hauptsache es war eine Dusche und eine Toilette in der Nähe, Camping eben. Außerdem sorgten die freundlichen Australier für unser leibliches Wohl und beschenkten uns mit Fisch, den wir mit leichten Schwierigkeiten in unserem Campingkocher gebraten haben. Der wohl erste schönste Moment unserer Tour war ein atemberaubend schöner Sonnenuntergang über den tänzelnden Booten im Hafen. Der folgende Tag bestand eigentlich nur aus Fahren, Fahren, Fahren und dabei die toten Tiere am Straßenrand zählen. Letztendlich erreichten wir doch tatsächlich das „World Heritage Shark Bay“, was seinen Namen als Weltkulturerbe wirklich verdient hat. Der Indische Ozean sah faszinierend schön aus und bevor wir bis nach Monkey Mia fuhren, machten wir einen Stop am „Shell Beach“. Ein Strand, der ausschließlich aus kleinen Muscheln besteht. In Monkey Mia standen wir am nächsten Morgen nach einer Nacht auf einem Campingplatz früh auf, um die Delphine im kniehohen Wasser zu beobachten. Jeden Morgen kommen diese an den Strand und sind dadurch natürlich eine wahnsinnige Touristenattraktion. Auf dem Northwestcoast Highway führte uns die Reise weiter nach Coral Bay. ![]()
Hier konnte man direkt vom Strand aus Schnorcheln ohne vorher weit aufs Meer rauszufahren, allerdings konnte nach dem Great Barrier Reef an der Ostküste uns nichts mehr vom Hocker reißen. Wir hielten uns in dem verschlafenen Nest nach einer illegalen Nacht auf einem Campingplatz nicht lange auf und fuhren gleich am nächsten Morgen weiter bis nach Karratha. Dort gaben wir uns leidenschaftlich unserer Muschelsuche hin und übernachteten eine Nacht auf dem Parkplatz eines großen Shoppingcenters. Das war schon etwas sehr hart als wir morgens auf der Toilette uns frisch machten, aber naja, wir sind ja eben doch noch Backpacker. Das kommende Stück des Highways führte uns immer weiter fort von der Zivilisation und wir mussten genau planen, wann wir wo tanken und schlafen wollten. Eine Fehlkalkulation wäre nicht so günstig gewesen mitten im Outback. Also stoppten wir die folgende Nacht auf einem Campingplatz am „Eighty Mile Beach“, was tatsächlich ein wunderschöner riesiger Strand war. Leider war es weniger ratsam dort zu schwimmen, da der Strand direkt ins tiefe offene Meer mündete. Für Hochseeangler eine tolle Ausgangsposition, aber für Schwimmer eher weniger und die Bekanntschaft mit einem Hai hatten wir bisher sehr gut gemieden. Der Strand hatte für uns dennoch ein unglaublich gutes Highlight, da es durch das offene Meer die schönsten und größten Muscheln gab, die wir während unserer Australienreise gesehen hatten. Da wir aber noch eine zu große Strecke bewältigen mussten, fuhren wir auch hier gleich weiter. Nach einem Schockerlebnis mit einer frisch abgebrannten Tankstelle mitten im Nichts, die eigentlich unseren Tank gut füllen sollte, kamen wir dennoch nach einer abweichenden Strecke zu einer anderen Tankstelle heile in Broome an. Broome bedeutete quasi Halbzeit für uns und diesmal blieben wir auch länger als üblich.
Wir schliefen auf einem Campingplatz direkt am Cable Beach, was wie wir herausfanden, der drittschönste Strand der Welt sein sollte. Naja, einfach mal die Seele baumeln lassen und nicht dabei die Landschaft an einem vorbeiziehen zu sehen, fühlte sich auch gut an. Wir eilten mit Weile und fuhren mit einem kleinen Zwischenstopp weiter bis zum Lake Argyle, was ein riesiger Stausee zwischen den Gebirgszügen des Outbacks ist. Dort bewohnten wir als wirklich einzige einen Campingplatz direkt an dem See, nur wir und tausende von Moskitos, die die Idylle zerstörten. Es fühlte sich so an, als ob wir die ersten Menschen waren, die diesen Platz entdeckt hatten.
Am darauf folgenden Tag passierten wir mit unzähligen Stichen übersät die Grenzen ins Nothern Territory und fuhren bis nach Katherine. Endlich mal wieder eine größere Stadt mit einem vernünftigen Einkaufszentrum! Allerdings war der Weg bis nach Darwin nun nicht mehr all zu weit und wir hatten noch unglaublich viel Zeit. Also entschieden wir uns in den Litchfield Nationalpark zu fahren und dort eine Nacht zu verbringen. Diesmal wandelten wir nicht auf unseren eigenen Spuren, sondern auf Renates, unsere liebe Freundin aus Stanthorpe. Sie selbst hat mit 30 in Darwin gelebt und uns im Grunde einfach alles über das Nothern Territory erzählt, was es zu wissen gibt. Im National Park badeten wir unter den Florence Falls, guckten uns riesige Termitenhügel an und beobachteten kleine Wildkängaroos.
Aber es führte kein Weg dran vorbei, endlich in Darwin anzukommen. Das bedeutete unser so lieb gewonnenes Auto, das uns all die Nächte ein sicheres Gefühl vermittelte hatte (weswegen wir es auch liebevoll Arnie (nach Arnold Schwarzenegger) getauft hatten), mit all seinen Macken wieder abzugeben und uns nach diesem wochenlangen Roadtrip wieder in ein Hostel einzumieten.
Da waren sie also, unsere letzten Tage in einem so viele Flugstunden entfernten fremden Land, was sich tief in meinem Herzen verankert hatte. Die letzten Tage bedeuten so viel, denn man macht einfach alles zum letzten Mal. Zum letzten Mal im Woolworth einkaufen, durch ein riesiges Shoppingcenter schlendern, englisch Träumen, australische Mentalität genießen und zum letzten Mal richtig frei sein. Denn das konnten wir sieben Monate lang, einfach nur an uns denken, in den Tag hinein leben, Entscheidungen treffen und eine andere Lebensart ausprobieren, jeden Tag. Wir organisierten unseren Abflug, kauften Souvenirs und kleine Geschenke für unsere Freunde und Familie ein und sorgen dafür, dass wir auch mit einer anständigen australischen Bräune nach Hause fliegen würden.
Was soll ich euch noch sagen? Ich fliege also am 23.4.2007 wieder von Darwin über Alice Springs über Perth nach Singapur zurück nach Frankfurt in die wartenden Arme meiner Familie. Im Gepäck schmuggel ich nicht nur eine riesige Anzahl von Muscheln, sondern einen Berg von Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen, so dass mir alles weh tut vom vielen Tragen. Zurück in meinem alten Leben komme ich mir zunächst vor wie eine Fremde in meinen eigenen vier Wänden meines Zimmers. Ich wusste nicht, was ich erzählen soll, denn ich war noch nicht da und manchmal bin ich es immer noch nicht.
Mein Herz hängt noch in Australien fest und macht sich gerade erst fertig für den Rückflug. Bei diesen unzählig vielen Kilometern wird es wohl noch eine Weile dauern, bis es wieder zurück in meinem Körper angekommen ist.
Also fliegt hin, lasst euch drauf ein, vergesst, was ihr zurück gelassen habt und kommt als neuer Mensch wieder. Und das gilt sicherlich nicht nur für mein bezauberndes Australien, sondern im Grunde für jedes große Abenteuer, was ihr antreten werdet.
Eure Julica Luger
karriere-hilfe.de - www.karriere-hifle.de